Де роки квітучі пройшли – Wo die besten Jahre vergangen sind

26. Januar bis 28. April 2024

BEENDET

Sonderausstellung zur Zwangsarbeit in Furtwangen.

In Deutschland gab es im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in fast jedem Ort. Mit 13 Millionen waren Menschen in Zwangsarbeit die größte Opfergruppe des National­sozialismus. Die damit verbundene Ausbeutung und Entrechtung geschahen vor den Augen der Öffentlichkeit. In der Nachkriegszeit wurde über Zwangsarbeit lange nicht gesprochen. Auch die zurückgekehrte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der ehemaligen Sowjetunion mussten schweigen. Denn in Ihrer Heimat waren sie dem Verdacht ausgesetzt, mit den National­sozialisten kooperiert zu haben.

Die ukrainischen Gedächtnis-Initiative „After Silence“ möchte den meist anonymen Zwangsarbeiterinnen eine Stimme geben. Sie verfügte über Fotos aus Furtwangen und schlug daher vor, im Deutschen Uhrenmuseum eine Ausstellung über ukrainische Zwangsarbeiterinnen zu zeigen. Die nun fertiggestellte Ausstellung basiert u.a. auf Fotos aus dem Nachlass von Hanna Kowalenko (gest. 2003 in Krementschuk), die als 15-jährige nach Furtwangen deportiert worden war.  „Gerne haben wir zugesagt, um dieses wichtige historische Thema ins Bewusstsein der Furtwanger Öffentlichkeit zu bringen. Wir freuen uns sehr auf die Ausstellung!"  betont Dr. Johannes Graf, der die zweisprachige Ausstellung seitens des Uhrenmuseums mitgeplant hat. Es sind persönliche Aufnahmen aus der Perspektive der ukrai­nischen Zwangsarbeiterinnen, die Einblick in deren Lebensumstände in einer Industriestadt im Schwarzwald gewähren.

Zwangsarbeit ermöglichte es, die Uhren- und Industrieproduktion in Furtwangen während des Zweiten Weltkriegs am Laufen zu halten. In der lokalen Geschichtsschreibung spielt sie dagegen bisher eher eine untergeordnete Rolle.

Um das Thema der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in die Furtwanger Stadtgesellschaft zu tragen, erarbeitet das Deutsche Uhrenmuseum in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg ein Begleitprogramm. Vorgesehen sind Filmvorführungen, Vorträge und Führungen in deutscher und ukrainischer Sprache.

Die Ausstellung wird am 25. Januar um 19 Uhr eröffnet.

„After Silence“ ist eine 2021 gegründete Nichtregierungsorganisation. Sie befasst sich wissenschaftlich mit dem Gedächtnis der Ukraine an die NS-Zeit und die Zeit des Stalinismus. Individuellen Erfahrungen, dem kollektiven Trauma und den Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft in der Ukraine geht die Initiative mit künstlerischen und historischen Herangehensweisen nach (Mehr: aftersilence.co/about-en/). Einige der Furtwanger Fotografien sind bereits auf der Website „While staying in Germany“ vorgestellt (https://ostarbeiter.in.ua/index_en.html).  Parallel zu Furtwangen zeigt After Silence zwei weitere Ausstellungen über ukrainische Zwangsarbeiterinnen, eine im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, eine weitere in der Ukraine.

Dr. Andreas Baumer, Geschäftsführer der grünen politischen Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg erarbeitet zusammen mit dem Deutschen Uhrenmuseum das Begleitprogramm der Ausstellung. Er betont, dass die Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen und Erinnerungspolitik ein Schwerpunkt ihrer politischen Bildungsarbeit ist: „Nur wer die Geschichte kennt, kann den aktuellen Bedrohungen unserer Demokratie – etwa durch Rechtsextremismus, völkische Säuberungsfantasien oder Antisemitismus – erfolgreich begegnen. Mit den ukrai­nischen Zwangsarbeiter*innen erinnern wir an eine lange vergessene Opfergruppe des verbrecherischen NS-Regimes. Die lokale Verortung in Furtwangen löst die Erinnerung aus einem abstrakten Geschichtsverständnis heraus und macht sie erfahrbar.“

Dankeschön:
Die Recherchen von After Silence zu Furtwangen werden ermöglicht von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (https://www.rosalux.de/). Das Rahmenprogramm im Deutschen Uhrenmuseum wird in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg (https://www.boell-bw.de/de)
erstellt.

In Kooperation mit:

Logo Heinrich Böll Stiftung