Museumsleiter Eduard C. Saluz

geht in den Ruhestand

Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen Nach fast 17-jähriger Tätigkeit verlässt Direktor Eduard C. Saluz das Deutsche Uhrenmuseum zum 30. Juni 2020. Er gab dem Haus mit seiner 168 Jahre langen Geschichte neue Impulse. So schloss er gezielt Lücken in der Sammlung, richtete die Ausstellung auf kulturgeschichtliche Aspekte aus und verschaffte der Forschung am Uhrenmuseum neues Gewicht.

Als Eduard C. Saluz 2003 nach Furtwangen kam, blickte er bereits auf eine lange berufliche Tätigkeit im Museum zurück. Nach einer Lehre als Mechaniker war er unter anderem als Kurator im populären Verkehrsmuseum Luzern angestellt. Anschließend baute er für das Schweizerische Landesmuseum Zürich das Museum für mechanische Musikautomaten in Seewen (Kanton Solothurn) auf. Mit dieser Aufgabe war auch die Zuständigkeit für die hochkarätige Uhrensammlung in Zürich verbunden.

Krise der Schwarzwälder Uhrenindustrie
Um die Jahrtausendwende war die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach der schwersten Krise ihrer Geschichte bis auf wenige Reste verschwunden. Darauf musste nun auch das Deutsche Uhrenmuseum reagieren, das bislang vor allem eine Leistungsschau der aktuellen und vergangenen Tendenzen in Uhrentechnik und -produktion gewesen war. Saluz ließ die Schausammlung umgestalten. An der Stelle von Erklärungen, wie eine Uhr funktioniert, wollte das Museum nun ganz andere Fragen beantworten: Wie ist es dazu gekommen, dass der Schwarzwald über Jahrhunderte vom Uhrenbau geprägt wurde? Welche Stellung spielten und spielen Zeit und Uhren im Leben jedes Einzelnen?

Neuausrichtung des Museums
Um das Wissen für diese Neuausrichtung zu erhalten, erweiterte das Museum intensiv die Bibliothek und erschloss andere Informationsquellen, wie Firmenschriften. Auf der Basis dieses Wissensschatzes erarbeitete Saluz mit dem Museumsteam eine neue kulturgeschichtliche Präsentation zu Uhr und Zeitmessung von der Antike bis in die Gegenwart. Bezugspunkt bildet dabei der gewichtigste Teil der Sammlung, die größte und bedeutendste Kollektion an Schwarzwalduhren weltweit. Um diesen Kern gruppieren sich wie bei einer Zwiebel die Objekte zur Uhrengeschichte in Deutschland und der Welt. Auf diese Weise konnte der Anteil der süddeutschen Uhrenregion und seine Verflechtung mit nationalen und internationalen Entwicklungen deutlich werden.

Als international ausgerichtetes Museum für Fachgäste und Touristen sind heute alle Texte und Führungen in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar. Besonderes Augenmerk richtete Saluz darauf, dass das Museum auch ganz individuell und nicht wie bislang vor allem durch eine Führung besucht werden konnte.

Immer wieder kamen dabei auch neue Highlights aus den letzten 300 Jahren ins Museum. Eine kleine Sensation war es, als das verschollen geglaubte Original der Bahnhäusleuhr, das Urbild der populären Kuckucksuhr, 2003 aus Privatbesitz in das Museum gelangte. Eher unscheinbar, aber nicht desto folgenreicher für den Schwarzwald ist der Prototyp der weltweit ersten Billig-Quarzuhr von 1970, gebaut in St. Georgen. Denn hier im Schwarzwald begann der Siegeszug der elektronischen Uhren, der tragischerweise den Niedergang der traditionellen Uhrenindustrie einleitete.

Das Deutsche Uhrenmuseum gehört zur Hochschule Furtwangen. Deshalb lässt sich das Museum nicht nur auf die Anliegen der Besucher ein, sondern betreibt eigenständige Forschung. So entstanden unter Saluz 16 Bücher zur Geschichte von Uhr und Zeit sowie mehr als 70 Artikel für angesehene Fachorgane. Viele Forschungsergebnisse wurden einem breiten Publikum in Sonderausstellungen nahegebracht.

Heute ist das Deutsche Uhrenmuseum dank Eduard Saluz nicht mehr nur touristische Attraktion, sondern international bedeutende Forschungseinrichtung für Uhr und Zeit.