Uhrenwissen  
Verflixte Vier! IIII oder IV?
Ein Zifferblatt der Astronomischen Uhr im Strasburger Münster, Holzschnitt, Ende 16. Jahrhundert (Archiv Deutsches Uhrenmuseum).
Auf dem Kerbholz: Schnitz-Kerben fügen sich auf diesen Wässertesseln zu scheinbar "römischen" Ziffern. Mit solchen Tesseln wurden die kostbaren Wasserrechte beurkundet. Die Rückseite trägt jeweils das Hauszeichen der Rechteinhaber. Leuk/Wallis 19. Jhd. Alpines Museum der Schweiz, Bern.
Dachbalken mit Zahl IIII als Abbundzeichen. Kartaus Freiburg/Br. um 1745
Taschenuhr von Abraham Caillatte, Genf, 17. Jhd.
Tischuhr von N. Dauville, Lyon, 1544. Inv. K-1296.
Taschenuhr mit Steinbesatz, bez.: "Balthasar de Paep Anvers", Antwerpen, um 1600. Inv. K-458.
“Wieso wird die Zahl 4 auf Uhren als IIII geschrieben und nicht IV?”

Dies ist sicher eine der häufigsten Fragen, die uns im Deutschen Uhrenmuseum gestellt werden. Immer wieder kursieren verschiedene, teilweise sehr kreative Erklärungen. Doch die Wirklichkeit ist vermutlich viel einfacher.

Kurze Antwort: Die IIII war die gängigste Schreibweise der Zahl 4.

Ein Blick auf die Geschichte der römischen Zahlen mag erhellen, wie es dazu kam:  Sie entwickelten sich vor über 2500 Jahren aus dem Zählen mit den Fingern und Kerbzeichen heraus. Solche Zeichen entstanden überall im Alltag, wo Gezähltes mit Kerben oder Strichmarken festgehalten wurde.
Ein anschauliches Beispiel für das Kerbprinzip sind sogenannte Wässertesseln aus dem Wallis, die die Ansprüche auf Bewässerung beurkunden: auf dem Foto sind deutlich Kerben, z.B. IIII, auch V, zu erkennen.

Aus Mittelalter und Neuzeit, bis hinein ins 19. Jahrhundert, lassen sich unzählige Belege für die Verwendung der IIII finden: Versatzzeichen der Steinmetze, Abbundzeichen (Bild) von Zimmerleuten, Seitenzahlen in handgeschriebenen Büchern und im Buchdruck, Kerbhölzer bis hin zu Strichlisten aus dem Alltag und nicht zuletzt auch Jahreszahlen.

Bis zu vier Einserzeichen werden dabei aufgereiht, also IIII (4) genauso wie VIIII (9) oder auch XVIIII (19).
Zeichensparend ist dagegen die Schreibweise IV. Auch sie war seit römischer Zeit in Gebrauch, kommt aber im Alltag vor 1500 selten zur Anwendung. Jeder Selbstversuch zeigt, dass die Schreibweise 5-1=4 deutlich mehr Überlegung erfordert als die zählbegleitende Addition 1+1+1+1=4.

Wie die IIII auf die Uhr gelangte

Uhrenziffern wurden hergestellt von Schmieden, Goldschmieden und Uhrmachern. Sie setzten die in der Welt des Handwerks gängige IIII ein. Und die IIII hat zusätzlich einen ganz handfesten Vorteil: Sie beugt jeder Verwechslung zwischen IV (4) und VI (6) vor. Dies mag hilfreich sein, wenn die Ziffern den Zeigerkreis, z. B. bei Turmuhren, "blütenblattförmig" umstellen.

Dass die IIII für Zifferblätter auch heute noch die Zahl der Wahl ist, mag auch an einem weiteren Aspekt liegen:  Das Zifferblatt ist symmetrisch ausgewogen zwischen den Ziffern IIII und VIII. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass sich auf den Zifferblättern für die 9 die Schreibweise IX durchgesetzt hat. Sie ist etwa genauso lang wie die III.

Wieso halten viele Betrachter die IIII für falsch?

Seit über fünf Jahrhunderten verwenden wir im Alltag statt der römischen die arabischen Ziffern 1,2,3,4. Addition und Multiplikation wurden mit ihnen so vereinfacht, dass wir diese Verfahren heute schon in der Grundschule lernen können.

Römische Ziffern sind seither ausgewählten Situationen vorbehalten: Seitenzahlen wertvoller Editionen, Inschriften auf Denkmalen und Grabsteinen. Bei diesen sorgfältig vorbereiteten Nutzungen kommt die subtraktive Schreibregel mit der eleganten IV zum Einsatz. Sie fand auch Einzug in den Schulunterricht. Auf den deutschsprachigen Bildungsservern ist sie die einzige Schreibweise. Doch die Geschichte zeigt: Das war nicht immer so!

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